Scharia-konform in Aktien anlegen: islamische ETF für Anleger in der Schweiz
Die Schweiz ermöglicht Scharia-konforme Aktienanlagen vor allem über islamische ETF mit Sitz in Irland, die an der SIX Swiss Exchange kotiert sind und MSCI-Indizes abbilden, deren Titel nach Branchen- und Finanzkriterien unter Aufsicht eines Scharia-Gremiums gefiltert werden.

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Wie wählt ein islamischer ETF seine Aktien aus?
Ein islamischer ETF bildet einen Index ab, dessen Unternehmen zwei Filter durchlaufen: Zuerst werden verbotene Branchen wie konventionelle Banken, Alkohol, Tabak, Glücksspiel oder Rüstung ausgeschlossen, danach begrenzen Kennzahlen die Verschuldung, verzinste Liquidität und Forderungen.
Vertraglich hält der Anleger einen Anteil an einem Fonds, der die Aktien direkt besitzt: Er trägt Gewinne und Verluste der Unternehmen mit, ohne garantierte Rendite und ohne Zins. Ein Scharia-Gremium überwacht den Fonds und stellt jährlich ein Konformitätszertifikat aus.
Welche islamischen ETF sind tatsächlich an der SIX kotiert?
Der iShares MSCI World Islamic UCITS ETF wird seit April 2015 unter dem Kürzel ISWD in US-Dollar an der SIX gehandelt. Die laufenden Kosten betragen 0,30 Prozent pro Jahr; der Fonds hat seinen Sitz in Irland und schüttet halbjährlich aus.
HSBC hat vier islamische ETF in US-Dollar an der SIX kotiert, für Welt, USA, Europa und Schwellenländer. Der Weltfonds heisst seit April 2025 MSCI World Islamic Screened, ist seit März 2023 an der SIX gelistet und kostet laufend 0,30 Prozent.
Scharia-Fonds und Mandate als weitere Wege
Ausserhalb der Börse bietet die Habib Bank AG Zürich ein islamisches Vermögensverwaltungsmandat mit Aktien, Sukuk, Fonds und ETF unter Aufsicht eines Scharia-Gremiums an, dazu Sirat-Kontokorrent- und Festgeldkonten ohne konventionellen Zins.
Der iShares MSCI USA Islamic hat eine Schweizer Handelslinie an der BX Swiss in Bern statt an der SIX. Scharia-Fonds anderer Anbieter sind teils über Genfer und Zürcher Privatbanken erhältlich, ihre Vertriebszulassung in der Schweiz ist aber jeweils zu prüfen.
Welcher Rechtsrahmen gilt für diese Anlagen?
Kein Schweizer Gesetz regelt das islamische Finanzwesen besonders: Banken, Vermögensverwalter und Fonds unterstehen den allgemeinen Regeln und der Aufsicht der FINMA. Ausländische Fonds für Privatanleger brauchen eine FINMA-Genehmigung, und das FIDLEG verlangt ein Basisinformationsblatt.
Der Markt bleibt klein. Die Faisal Private Bank, 2006 in Genf als erste Scharia-konforme Bank der Schweiz eröffnet, wurde ab 2012 in ein Family Office umgewandelt, und eine juristische Analyse von 2022 fand keine an einer Schweizer Börse kotierten Sukuk.
Steuern für Privatanleger in der Schweiz
Für Privatpersonen mit Wohnsitz in der Schweiz sind Kapitalgewinne auf dem Privatvermögen grundsätzlich steuerfrei. Ausschüttungen des ETF gelten als steuerbares Einkommen, und der Wert der Anteile am 31. Dezember zählt zum Vermögen, das der kantonalen Vermögenssteuer unterliegt.
Ein irischer ETF unterliegt nicht der Schweizer Verrechnungssteuer von 35 Prozent, die auf Dividenden Schweizer Gesellschaften erhoben wird. Fällig ist jedoch die Umsatzabgabe von 0,30 Prozent auf ausländischen Titeln, hälftig auf Käufer und Verkäufer verteilt, wenn ein Schweizer Effektenhändler beteiligt ist.
Erträge reinigen und Zakat berechnen
Der MSCI-Filter toleriert, dass ein Unternehmen bis zu 5 Prozent seines Umsatzes mit verbotenen Tätigkeiten erzielt. Der Anleger reinigt deshalb den entsprechenden Anteil der Dividenden durch eine Spende an eine gemeinnützige Organisation, gemäss Empfehlung des Fonds oder seines Gelehrten.
Die Zakat auf ETF-Anteile wird oft auf dem zakatpflichtigen Anteil der zugrunde liegenden Vermögenswerte oder vorsichtiger auf dem Marktwert berechnet. Eine ausschüttende Linie erleichtert die Kontrolle der zu reinigenden Erträge, eine thesaurierende erfordert eine Schätzung.
Säule 3a und Vorsorge: noch wenig Auswahl
Säule-3a-Lösungen von Banken und Stiftungen beruhen meist auf verzinsten Konten oder konventionellen Fonds. Ein ausdrücklich Scharia-zertifiziertes 3a-Angebot liess sich 2026 nicht bestätigen; Interessierte müssen jede Stiftung direkt nach zulässigen islamischen Fonds fragen.
Andernfalls wird halal ausserhalb der gebundenen Vorsorge gespart, ohne Steuerabzug, in einem Depot mit islamischen ETF. Die Wahl hängt vom Grenzsteuersatz, vom Anlagehorizont und von der religiösen Haltung zu verzinsten Konten ab.
Schritte zum Kauf eines islamischen ETF
Der folgende Ablauf gilt für eine in der Schweiz wohnhafte Person, die über eine Bank oder einen Online-Broker mit Zugang zur SIX Swiss Exchange einen ersten Kauf auf der Dollar-Handelslinie tätigt.
- Schweizer Banken und Broker mit SIX-Zugang vergleichen: Courtage, Depotgebühren, Wechselkursmarge.
- Depot mit Ausweis, Wohnsitznachweis und FIDLEG-Risikoprofil eröffnen.
- Basisinformationsblatt und Monatsbericht lesen: Index, laufende Kosten, Scharia-Gremium, Währung.
- Das genaue SIX-Kürzel prüfen, da BlackRock die Dekotierung einer Handelslinie seines Welt-ETF im Dezember 2026 ankündigt.
- Franken in Dollar wechseln oder die Bank umrechnen lassen, nachdem die Wechselkosten verglichen wurden.
- Während der Handelszeit eine limitierte Order erteilen, um die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis zu begrenzen.
- Anteile und Ausschüttungen in der kantonalen Steuererklärung angeben und jährlich Purifikation und Zakat berechnen.
Kosten und Unterlagen im Überblick
Nur die laufenden Fondskosten und die Umsatzabgabe sind fix bekannt; die übrigen Posten hängen vom Institut ab und sollten vor der Kontoeröffnung im Gebührenverzeichnis nachgelesen werden.
| Posten | Was zu erwarten ist | Hinweis |
|---|---|---|
| Laufende Fondskosten | 0,30 Prozent pro Jahr bei den Welt-ETF von iShares und HSBC | Im Fondswert verrechnet |
| Courtage | Fixbetrag oder Prozentsatz pro Auftrag | Stark unterschiedlich je Anbieter |
| Eidgenössische Umsatzabgabe | 0,30 Prozent auf ausländischen Titeln, hälftig geteilt | Fällig bei Beteiligung eines Schweizer Effektenhändlers |
| Wechsel CHF/USD | Marge der Bank | Die genannten SIX-Linien lauten auf Dollar |
| Unterlagen | Ausweis, Wohnsitznachweis, Formular zur Herkunft der Mittel | Anlegerprofil gemäss FIDLEG |
Häufige Fehler vermeiden
Die meisten Konformitätsprobleme entstehen weniger bei der Wahl des ETF als bei der Nutzung oder Deklaration des Depots. Folgende Punkte treten bei Schweizer Einsteigern immer wieder auf.
- Einen nachhaltigen ESG-ETF mit einem islamischen ETF verwechseln, obwohl ESG weder Verschuldung noch konventionelle Banken filtert.
- Den Kauf mit einem Lombardkredit oder einem Margenkonto finanzieren, die auf Zins beruhen.
- Verzinste Liquidität auf dem Konto liegen lassen, ohne die gutgeschriebenen Zinsen zu reinigen.
- Eine ausländische Euro-Linie kaufen, ohne die Kosten mit der SIX-Linie zu vergleichen.
- Ausschüttungen eines irischen ETF nicht deklarieren, obwohl sie auch ohne Verrechnungssteuer steuerbar sind.
Ist ein islamischer ETF an der SIX riskanter als ein klassischer?
Das Risiko bleibt jenes einer Aktienanlage. Der Ausschluss von Banken und stark verschuldeten Firmen konzentriert den Index jedoch auf Technologie und Gesundheit, was die Abweichung gegenüber einem breiten Weltindex vergrössern kann.
Kann man in Schweizer Franken investieren?
Die identifizierten islamischen SIX-Linien werden in US-Dollar gehandelt; der HSBC-Bericht nennt Euro- und Frankenlinien ohne zugeteiltes Kürzel. Bezahlt wird in Franken, die Bank rechnet um, und der Anteilswert schwankt mit dem Dollar.
Wird auf den Ausschüttungen eine Quellensteuer erhoben?
Der irische Fonds erhält die Dividenden seiner Unternehmen nach ausländischen Quellensteuern und schüttet ohne Schweizer Verrechnungssteuer aus. In der Steuererklärung gibt es daher nichts zurückzufordern, die Ausschüttungen erhöhen aber das steuerbare Einkommen.
Braucht es eine Beratung für die Wahl des ETF?
Pflicht ist das nicht, denn über einen Online-Broker lässt sich selbständig handeln. Eine Beratung oder ein islamisches Mandat wie bei der Habib Bank AG Zürich lohnt sich bei grösseren Vermögen, Sukuk oder für die Verwaltung der Purifikation.
Dürfen Minderjährige islamische ETF besitzen?
Ja, über ein Depot auf den Namen des Kindes, das die gesetzlichen Vertreter nach den Regeln der jeweiligen Bank führen. Die Anteile werden dann gemäss der Praxis des Wohnsitzkantons im Vermögen der Familie deklariert, zusammen mit allfälligen Ausschüttungen des Jahres.
Wo Sie diese Lösungen finden
- iShares MSCI World Islamic UCITS ETF — BlackRock-ETF an der SIX (ISWD, USD), bildet den MSCI World Islamic ab; laufende Kosten 0,30 Prozent, halbjährliche Ausschüttung.
- HSBC MSCI World Islamic Screened UCITS ETF — Weltweiter islamischer ETF von HSBC, seit 2023 in Dollar an der SIX; laufende Kosten 0,30 Prozent, jährliches Scharia-Zertifikat.
- Habib Bank AG Zürich — Schweizer Bank mit islamischem Verwaltungsmandat (Aktien, Sukuk, ETF) unter Scharia-Aufsicht sowie Sirat-Konten ohne Zins.
Offizielle und rechtliche Quellen
- FINMA – anerkannte Selbstregulierung — Offizielle Liste der von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht anerkannten Selbstregulierungen; die FINMA beaufsichtigt Banken, Fonds und Effektenhändler.
- SIX – ETF Explorer — Offizielles Werkzeug der Schweizer Börse, um alle an der SIX Swiss Exchange kotierten ETF zu suchen und zu vergleichen, auch islamische Linien.
- Rechtsanalyse: Islamic Finance in der Schweiz (2022) — Überblick einer Schweizer Kanzlei: kein Spezialgesetz, gleiche FINMA-Regeln für islamische Anbieter, keine an Schweizer Börsen kotierten Sukuk.