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Auslandslieferanten schariakonform bezahlen: Importfinanzierung in Deutschland

Deutschlands islamische Importfinanzierung ermöglicht es Unternehmen, ausländische Lieferanten für Fahrzeuge, Maschinen oder Handelswaren über eine Murabaha zu bezahlen, bei der der Finanzierer die Ware kauft und zu einem festen Preis weiterverkauft, teils kombiniert mit einem islamischen Akkreditiv statt eines verzinsten Handelskredits.

Auslandslieferanten schariakonform bezahlen: Importfinanzierung in Deutschland

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So funktioniert die Import-Murabaha

Bei der Import-Murabaha kauft die islamische Bank die Ware beim ausländischen Exporteur, direkt oder über den Importeur als Vertreter, und bezahlt den Lieferanten. Anschließend verkauft sie die Ware zum Einstandspreis zuzüglich Aufschlag an das deutsche Unternehmen, zahlbar zu einem späteren Termin oder in Raten.

Entscheidend aus Schariasicht ist, dass die Bank die Ware oder die sie verkörpernden Dokumente besitzt, bevor sie weiterverkauft. In der Praxis geht das Eigentum über, wenn die Bank gegen Handelsrechnung und Transportdokumente zahlt, der Weiterverkauf wird danach unterzeichnet.

Islamische Akkreditive

Ein klassisches Akkreditiv ist ein Zahlungsversprechen nach den ICC-Regeln ERA 600 (UCP 600). Islamische Banken stellen dasselbe Instrument aus, verlangen dafür aber eine Dienstleistungsgebühr auf Wakala-Basis oder verbinden es mit einer Murabaha, wenn sie zusätzlich die Zahlung finanzieren, ohne Zinsen für ein Zahlungsziel.

Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und deutsches Recht

Waren aus Drittstaaten werden vom deutschen Zoll abgefertigt. Der Zollwert wird nach mehreren Methoden in gesetzlich festgelegter Reihenfolge ermittelt, Beträge in Fremdwährung werden zum maßgeblichen Kurs des jeweiligen Zeitpunkts in Euro umgerechnet und in der Zollanmeldung angegeben.

Die Einfuhrumsatzsteuer erhebt der Zoll mit 19 Prozent oder ermäßigt mit 7 Prozent. Vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen können sie in der Regel zurückholen, müssen sie aber vorfinanzieren, was den Bedarf an Betriebsmitteln während des Importvorgangs spürbar erhöht.

Ware bei Ankunft prüfen

Zwischen Kaufleuten verlangt § 377 HGB eine unverzügliche Untersuchung und Mängelanzeige. Bei bankfinanzierten Importen sollte der Importeur sofort nach Eintreffen prüfen, Probleme dokumentieren und Lieferant sowie Finanzierer informieren, bevor der Murabaha-Verkauf unterschrieben wird.

Wer Importe in Deutschland islamisch finanziert

Die KT Bank AG mit Sitz in Frankfurt am Main, seit 2015 mit BaFin-Erlaubnis tätig, bietet eine ImportFinanzierung Business an. Sie umfasst Fahrzeuge, Maschinen und Geräte sowie sonstige im Ausland gekaufte Waren, mit kurz- bis mittelfristiger Rückzahlung passend zur Liquiditätsplanung.

Nach eigener Darstellung zahlt die Bank den Verkäufer direkt. Akkreditive, Dokumenteninkassi oder bestimmte Währungen nennt die Produktseite nicht, Importeure mit Bedarf an Dokumentengeschäften sollten daher ausdrücklich nachfragen, welche Leistungen über die KT Bank oder ihre türkische Muttergruppe möglich sind.

Ergänzende Leistungen im Außenhandel

Die KT Bank führt für Firmenkunden außerdem Währungskonten und SWIFT-Überweisungen, was Zahlungen an Lieferanten in der Türkei, am Golf oder in Asien erleichtert. Preise und unterstützte Währungen stehen im Preis- und Leistungsverzeichnis der Bank, nicht auf den Produktseiten.

Konventionelle Außenhandelsfinanzierung als Rückfallebene

Deutsche Geschäftsbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken bieten Akkreditive, Inkassi und Importkredite an, jedoch auf Zinsbasis. Die Gebühr für die Eröffnung eines Akkreditivs ist kein Zins, die Finanzierung eines Zahlungsziels dagegen schon, worauf Importeure achten sollten.

Ehrliche Grenzen für deutsche Importeure

Keine große deutsche Bank unterhält einen islamischen Trade-Finance-Bereich, öffentliche Volumenzahlen fehlen. Größere Importeure, Rohstoffhändler oder Firmen mit Bedarf an bestätigten Akkreditiven arbeiten daher oft zusätzlich mit islamischen Banken in der Türkei, am Golf oder in London.

Wer regelmäßig in größerem Umfang importiert, sollte deshalb früh klären, welche Teile des Geschäfts islamisch abgewickelt werden können und wo nur konventionelle Instrumente verfügbar sind. Eine schriftliche Einschätzung eines Schariaberaters schafft dabei Klarheit gegenüber Gesellschaftern und Kunden.

Schritt für Schritt durch ein islamisches Importgeschäft

Der folgende Ablauf zeigt einen typischen Murabaha-basierten Import von Maschinen oder Waren aus einem Drittstaat, finanziert durch eine islamische Bank und abgefertigt durch den deutschen Zoll, vom Vertrag bis zur Rückzahlung.

  1. Den Vertrag mit dem ausländischen Lieferanten aushandeln, einschließlich Incoterms, Liefertermin und geforderter Dokumente.
  2. Proformarechnung, Jahresabschlüsse und eine Liquiditätsplanung inklusive Einfuhrumsatzsteuer bei der Bank einreichen.
  3. Die Zusage erhalten und die von der Bank verlangte Vollmacht oder Kaufverpflichtung unterzeichnen.
  4. Die Bank zahlt den Lieferanten direkt oder eröffnet, falls verfügbar, ein Akkreditiv.
  5. Die Zollabfertigung veranlassen, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer zahlen und die Ware übernehmen.
  6. Die Ware unverzüglich prüfen und den Murabaha-Verkauf zum vereinbarten Festpreis unterzeichnen.
  7. In Raten zurückzahlen und die Einfuhrumsatzsteuer über die Umsatzsteuervoranmeldung zurückholen.

Kosten und Unterlagen für Importeure

Zollsätze hängen von der Zolltarifnummer und dem Ursprung der Ware ab, Bankmargen werden individuell festgelegt. Die Tabelle zeigt, was Importeure üblicherweise einplanen und vorbereiten sollten, bevor sie eine Finanzierung beantragen.

PostenWas zu erwarten istHinweis
Einfuhrumsatzsteuer19 oder 7 Prozent der BemessungsgrundlageMeist als Vorsteuer abziehbar
ZollJe nach Tarifnummer und UrsprungVerbindliche Zolltarifauskunft prüfen
GewinnaufschlagBeim Murabaha-Verkauf festgelegtWährung und Zeitpunkt klären
BankentgelteSWIFT-Überweisung, ggf. AkkreditivgebührenIm Preisverzeichnis aufgeführt
UnterlagenProformarechnung, Transportdokumente, EORI-NummerDazu Abschlüsse und BWA

Häufige Fehler und Ablehnungsgründe

Importfinanzierung verbindet Kreditrisiko, Transportrisiko und Zollvorschriften. Anträge scheitern deshalb häufiger an Unterlagen und Abläufen als am eigentlichen Geschäft. Diese Punkte tauchen in der Praxis immer wieder auf.

Stellt die KT Bank Akkreditive aus?

Die Seite zur ImportFinanzierung erwähnt keine Akkreditive, sie beschreibt die direkte Zahlung an den Verkäufer. Unternehmen, die ein Dokumentenakkreditiv benötigen, sollten beim Firmenkundenteam nachfragen, da Verfügbarkeit, bestätigende Banken und Preise nicht online veröffentlicht sind.

Lassen sich auch Waren aus der EU finanzieren?

Ja, der Murabaha-Mechanismus funktioniert bei jedem Lieferanten. Bei Käufen innerhalb der EU entfallen Zollabfertigung und Einfuhrumsatzsteuer, stattdessen meldet der deutsche Käufer einen innergemeinschaftlichen Erwerb in der Umsatzsteuervoranmeldung, was die Liquiditätsplanung deutlich vereinfacht.

Wer trägt das Währungsrisiko?

Rechnet der Lieferant in Dollar oder Lira ab, zahlt die Bank in dieser Währung, der Weiterverkaufspreis wird meist bei Unterzeichnung in Euro festgelegt. Islamische Banken meiden klassische Devisentermingeschäfte, das Kursrisiko vor dem Verkauf sollte daher offen besprochen werden.

Unterscheidet sich Importfinanzierung von Betriebsmittelfinanzierung?

Beide nutzen die Murabaha, doch die Importfinanzierung ist an eine bestimmte grenzüberschreitende Lieferung und deren Dokumente gebunden, während Betriebsmittelfinanzierung wiederkehrende Inlandseinkäufe abdeckt. Die KT Bank führt dafür getrennte Produkte mit ähnlicher Direktzahlung.

Gehören Zölle zum finanzierten Betrag?

Das hängt von der Struktur der Bank ab. Zoll und Einfuhrumsatzsteuer sind öffentliche Abgaben, die der Importeur als Anmelder schuldet, sie werden daher meist aus eigenen Mitteln bezahlt und nicht in den Kaufpreis der Bank einbezogen.

Wo Sie diese Lösungen finden

Offizielle und rechtliche Quellen